h1

Love Hurts

31. Mai 2010

Und manchmal tut die Liebe weh, weil wir unbedacht sind. Natürlich wussten Mos Freundinnen von unserem Date Heiligabend und von unserem Knutschen und dass wir gemeinsam gingen, was beides schon für sich genommen zu Gerüchten führte. Und die Damen kannten mich ja alle vom Weihnachtsmarkt.

Nach dem nicht-zusammen-Sylvester-Feiern mit Mo vergingen die Wochen schnell. Und ich lernte jemanden kennen. Die Cousine einer Freundin. Auf einer Geburtstagsfeier.

Sie war genau das Gegenteil der opulenten und üppigen Mo. Irgendwas um 1,65m, war schwer zu schätzen wegen ihrer Schuhe. Schwarzes Haar, eher der sportlich-mädchenhafte Typ. Wir verstanden uns sofort.

Eine Woche drauf sahen wir uns wieder. Wir hatten uns verabredet – im Bistro, in dem ich Mo kennen gelernt hatte. Von Mo hatte ich bis dahin kein Lebenszeichen bekommen.

Es war – wie immer Freitagabend – knüppelvoll und wir standen an der Bar. Sie mit dem Rücken zur Theke und ich vor ihr, schirmte sie ab, sonst wäre sie ständig angerempelt worden.  Sie fühlte sich augenscheinlich wohl.

Es war lustig, die Stimmung grandios. Ein Paar tanzte auf der Theke Tango, er drohte immer wieder, mit seiner Tolle in den Deckenventilator zu geraten.

In der Ecke sah ich ein Augenpaar auf uns gerichtet. Es dauerte eine Weile, bis ich Anja erkannte. Sie hatte aber auch viel Kajal aufgelegt. Mehr als sonst.

Anja kam im Takt der Musik angetanzt, ein schlangenfalsches Hallo, ein Begrüßungskuss auf die Wange. Meine Begleiterin gab sich aber mit der Erklärung zufrieden, dass es eine alte Freundin meiner Ex sei, die ich auch seit Jahrzehnten schon kennen würde.

Ich war dennoch beunruhigt. Es war Anfang Februar. Erster Freitag im Monat. Das war der Mädchenabend. Die Damen waren vorher beim Italiener und jetzt hier.

Mein letzter Abend mit Mo war nur 5 Wochen her und zuletzt sahen die Damen Mo und mich Arm in Arm auf dem Weihnachtsmarkt. Und zu allem Überfluss war der Bekannte, der sie Heiligabend so bedrängt hatte, der Bruder einer blassen Blondine mit Stich ins Rote, die ich inzwischen im Kreis der anderen Damen am anderen Ende des Bistros entdeckt hatte.

Kurz darauf sah ich eine breite, männliche Schulter, über die zu Schlitzen verengte blaue Augen mich anstarrten. Ich kannte die Augen natürlich. Klar, es war Mo.

Sie ging zur Toilette, mein Handy vibirierte kurz darauf. “Geh mir aus dem Weg!” hatte sie mir geschrieben, was ich aber erst zu Hause las. Mir war klar, wer mir da eine SMS schickt, und ich wollte es ignorieren, um mir nicht den Abend zu verderben.

Zugegeben: Ich hatte Mo in eine prekäre Situation gebracht. Sie erzählte den Freundinnen nie von ihren Trennungen, wartete immer einige Wochen und erwähnte es dann beiläufig. Aus Anjas Verhalten schloss ich, dass sie Mo und mich noch als Paar sah.

Später erfuhr ich, wie Mo ihren Freundinnen diese Begegnung erklärt hatte. Es gab zwei Versionen:

Ich führe mehrgleisig, das habe sie entdeckt und mich dann gekickt. Oder, alternativ, ich sei Stalker und Grenzüberschreiter, daher habe sie mich gekickt und sich anwaltlich beraten lassen.

Sie hatte die jeweils härteste Version erzählt, die ihre Zuhörerin geglaubt hat. Da die Damen aber auch miteinander sprachen war ihnen klar, dass das nicht der Grund war, sondern, dass Mo mal wieder eine krasse Fehlbeziehung hatte.

Wobei meine Neurosen sicher 50% des Fehlers waren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.