Schlaflos im Dörfchen.
Das Konzert war grottenschlecht. Besoffene Musiker, schlechtes Publikum. Michael und ich saßen an der Bar und deprimierten uns gegenseitig mit unserem Blues.
Seine Freundin ist depressiv. Arbeitslos. Alleinerziehend. Vom fast 18jährigen Sohn genervt. Und ich sehe grade meine Felle schwimmen gehen. Da stell sich mal einer vor, wie es mir ging. Oder geht. Oder was.
Die Nacht danach war furchtbar. Ich hatte Kopfkino. Sah sie mit ungefähr 300 anderen Männern ausgehen. Jeder um zehnerpotenzen muskulöser, smarter, attraktiver als ich. Was soll sie also mit mir, verdammt?
Ich stehe um halb vier auf, der Kühlschrank ist fast leer. Nur eine trockene Kartoffel. Kein Brot, keine Marmelade. Geräusche verursachen Gänsehaut. Was soll ich machen?
Ich leg mich wieder hin, nehme das Notebook mit ans Bett. Suche mir einen gut besetzten Chatroom, nehme mir en Glas Rotwein. Bis 5 Uhr chatte ich. Nonsens. Luftblasen. Hauptsache Worte, Präsenz von irgendwem. Gehört werden und hören.